Aktivierte Projekte

ELKI Pilotprojekt für Dublin-Flüchtlinge

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien hat zusammen mit dem FCEI (Federazione delle Chiese Evangeliche in Italia) ein Projekt für die Aufnahme, Unterstützung und Begleitung von dublinati, also Migranten (Personen mit Schutzstatus oder Asylsuchende), die nach dem Dublin-Abkommen wieder in unser Land zurückgeschickt wurden, gestartet.

Das Projekt sieht für Schutzbedürftige Angebote für Unterkunft und Verpflegung, rechtlicher Beistand und Unterstützung für die Aufnahme der Flüchtlinge in das SPRAR, das Schutzsystem des Innenministeriums  für Asylsuchende und Flüchtlinge, vor.

Außerdem möchte es diejenigen auffangen, die beabsichtigen, nur kurz in Italien zu bleiben, um dann in andere Länder weiterzureisen, unabhängig von ihrem Asylstatus. Das Ziel ist es, gemeinsam Konzept für die kurz- und mittelfristige soziale Eingliederung zu erarbeiten.

Die Initiative – finanziert durch otto-per-mille-Gelder, die die beitragenden Italiener jedes Jahr der ELKI zukommen lassen- unterstützt immer mindestens zehn Migranten auf einmal (jeden von ihnen für kurze Zeiträume von ca. 40 Tagen), es sei denn es ergeben sich im Laufe des Projektes weitere Möglichkeiten, um die diakonische Unterstützung zu erweitern.

Sofern das Projekt nicht verlängert wird, ist das Ende für Oktober 2018 vorgesehen.

Bemerkungen zum Dublin-Abkommen und seine Folgen

Das Dublin-Abkommen III, seit 2014 in Kraft, schreibt vor, dass jeder Asylantrag, auch wenn er von einem Bürger in einem Drittstaat oder einem Staatenlosen gestellt wird, nur in einem Mitgliedsstaat der EU geprüft wird und dass die Zuständigkeit dafür beim ersten Eintrittsland der EU liegt. Gewöhnlich ist dieser Staat aus geografischen Gründen Italien oder Griechenland. Außerdem ist das für die Bewertung des Asylantrags zuständige Land auch das Land, in dem sich der Schutzsuchende niederlassen kann, da die EU nicht die freie Wahl des Aufenthaltsorts auch in anderen EU-Ländern anerkennt/erlaubt. Der Asylantragstellende oder eine Person mit internationalem Schutzstatus, die sich in einem anderen Land als dem Eintrittsland in die EU aufhält, wird, nach dem Abkommen, in dieses Eintrittsland zurückgeschickt. In Italien weist das internationale Schutzsystem noch viele Anzeichen von Willkür für die Asylsuchenden auf. Laut einer aktuellen Studie bleiben fast alle nach Italien zurückgeschickten Migranten sowohl ohne jegliche Form der Aufnahme oder Unterstützung als auch ohne jegliche soziale und rechtliche Orientierung bei der Ankunft in Italien. Daraus folgt oft eine Verschärfung der Umstände des sozialen Abseits, das schnell an Unsichtbarkeit und Illegalität grenzt.


Humanitäres Projekt  “Senfkorn”

Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Sizilien

Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Sizilien, die Christlich-Evangelisch Baptistische Kirche von Catania und die Evangelische Waldenserkirche von Catania, haben am Montag den 17. Oktober 2016 gemeinsam das diakonische Projekt “Granello di senape” (Senfkorn)eröffnet. Das Projekt hat ein humanitäres Format und wurde in Folge der Katastrophe vom April 2015, bei welcher mehr als achthundert Menschen im Meer ihr Leben verloren, iniziiert.

Einen Hauptanteil an dem benötigten Impuls für das Projekt haben Pfarrer Andreas Latz und die Ratspräsidentin Margit Müller, aus der lutherischen Gemeinde Sizilien, welche gemeinsam mit dem Rat der Kirche eine Unterkunft in Catania gemietet haben. Diese dient zur Aufnahme von acht jungen Afrikanern zwischen 16 und 25 Jahren, mit einer Aufenthaltserlaubnis, mit dem Ziel zu studieren, zu arbeiten, sich selbst zu versorgen und sich vollständig in das catanesische soziale Netz zu integrieren. Und dies in großer Wertschätzung der immerwährenden multiethnischen Akzeptanz und der gastfreundlichen Aufnahme der jungen Afrikaner aus der Elfenbeinküste, Mali und dem Senegal, in Catania.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, welcher besonders hervorgehoben werden muss, ist die Einbringung der lutherischen, baptistischen und waldensischen Brüder in diese soziale und humanitäre Initiative im Sinne der christlichen Überzeugung, dass ein jeder eine Gabe besitzt, die er einbringen kann, um weniger vom Glück gesegneten Menschen zu helfen. Und so arbeiten die Lutheraner, Baptisten und Waldenser eng zusammen und, tatsächlich, seit der einfachen Anfangsphase, verwirklichen sie nun Schulungen, Sprachkurse und in der Phase der Freigabe einen Beratungsschalter.

So wie vom Dekan der ELKI, Heiner Bludau, mit den folgenden Worten geschickt illustriert – “… Die Herrschaft Gottes ist zu vergleichen mit einem Senfkorn, welche ein Mensch nimmt und auf seinem Feld sät. Er ist viel kleiner als all die anderen Samen, aber wenn er gewachsen ist, ist er größer als alle anderen Pflanzen im Gemüsegarten: er wird ein so großer Baum, dass die Vögel kommen um in seinen Ästen ihr Nest zu bauen.” (Matthäus 13: 31-32) – dieses Projekt kann der erste und grundlegende Schritt einer viel wichtigeren Sache sein mit der Kenntnis, dass diese Iniziative ein kleiner Samen im Meer der Bedürftigen ist.

Daniela Barbuscia, Verantwortliche für die Diakonie der ELKI 


Projekt “Gleis1”

Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Bozen

Gleis1, so heißt das Bürgernetzwerk, das sich der Unterstützung der Flüchtlinge verschrieben hat.

Engagierte Menschen, auch aus der lutherischen Gemeinde Bozen, helfen regelmäßig in dieser Struktur und sorgen dafür, dass die Herausforderung der Zuwanderung ein öffentliches Thema wird, dem wir uns alle stellen. Gerne sind wir im Haus Gastgeber für gemeinsame Beratungen im Netzwerk. Caroline von Hohenbühel über Entstehung und Aufgaben.
100 – 200 Flüchtlinge kamen in der warmen Jahreszeit täglich am Bahnhof Bozen durch. Am Anfang, März 2015, wurden sie nur von der Bahnhofspolizei registriert und sich dann selbst überlassen. Bürgerinnen und Bürger begannen, sich um sie zu kümmern, brachten Tee und eine Merende, erklärten und halfen, den richtigen Zug zu finden. Das waren die Freiwilligen, die sich bald binario1/Gleis1 nannten.

Wir holen die Migranten am Bahnsteig ab, begleiten sie in den Saal, den wir für das Warten adaptiert haben, oder von der Bahnhofspolizei. Im Saal ist ein Frühstück gerichtet. Die Durchreisenden bekommen Hygieneartikel, fehlende warme Kleider und Schuhe. Wer länger bleibt, kann duschen, rasten und erzählen, was auf die Seele drückt. Von Anfang an war Feisal unser Dolmetscher. Er half, wo englisch oder französisch fehlten; dann kam Basamba. Sie erklären, wie es weiter geht, und beruhigen. Vormittags ist das Rote Kreuz da. Oft haben wir Leute hinüberbegleitet mit einem Pack frischer Kleider – wer Krätze hatte, durfte gleich duschen und wurde frisch versorgt und ausgestattet für die Weiterreise.

Mit der Zeit strukturierte sich die Hilfe am Bahnhof. Die Provinz beauftragte den Verein Volontarius mit der Koordination. Binario1/Gleis1 ist am Rundentisch zur Koordination der Flüchtlingsarbeiter Provinz vertreten, als kritische Stimme aus der Bevölkerung, inzwischen auch engagiert in Aufnahmeeinrichtungen in Tiesens, Nals oder Meran. Sprachkurse in Deutsch und Italienisch entstehen, andere kümmern sich direkt um einzelne Migranten.

Momentan liegt unser Schwerpunkt bei den obdachlosen Asylanten, die es hart trifft, nächtens im Obdachlosenheim zu sein und Tagsüber irgendwo, wo es nicht zu kalt ist. Im Moment fallen sie durch das Sozialsystem, und ihnen bleibt nur, um Almosen zu bitten.

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Projekt Teddybär

Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Rom

Seit fünf Jahren kommen jeden ersten Donnerstag des Monats ca. 80 afrikanische Mütter mit Kleinkindern zu uns, um 1 Paket Windeln, Kleidung und Spielzeug für ihre Babies zu holen. Das Projekt wird von Freiwilligen durchgeführt.

Es kommen Frauen aus Zentral- oder Nordafrika, die schon seit zwei bis drei Jahren in Rom leben. Im letzten Jahr kamen immer mehr junge Frauen aus Lybien und Afghanistan dazu. Wir wissen nicht von allen, auf welchem Weg sie nach Italien gekommen sind. Einige sind Flüchtlinge und andere suchen eine  bessere Zukunft.  Kaum eine Mutter fand bis jetzt Arbeit oder eine komfortable Unterkunft. Das kommt unter anderem daher, dass sie nach mehreren Jahren Aufenthalt in Italien kaum italienisch sprechen. Die meisten leben zusammen mit andern in einer kleinen Wohnung in der Periferie. Ehemänner sind oft keine da, oder sie sind in Afrika zurück geblieben. Wir bemühen uns sehr, ausser Windeln und Kleidern auch mit praktischen Ratschlägen weiter zu helfen. Es ist besonders wichtig, dass die Kinder so bald als möglich im Kindergarten aufgenommen werden und von klein an italienisch sprechen lernen und sich an die italienische Lebensweise anpassen.

“Poveri Frühstück”

Das „Poveri-Frühstück“ ist ein Projekt der Gemeinde Rom seit knapp 20 Jahren. Alle zwei Wochen mittwochmorgens findet das Frühstück unter Hilfe der Freiwilligen der Gemeinde statt. Und zwar das ganze Jahr über, abgesehen von der Sommerpause im August.

Eine von ihnen erklärt: „Die meisten kommen schon seit Jahren. Viele von ihnen sind Menschen, die in ihrem Leben mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Sie kommen wegen einem warmen Kaffee oder Tee mit Cornetto und einer kleinen Geldspende. Bisweilen sind wir auch in der Lage, ein kleines Päckchen mit Hygieneartikeln und anderen Bedarfsartikeln zu verteilen. Leider zu selten. Wir würden gerne mehr tun, aber unsere Geldmittel sind begrenzt“.

Es wird auch den Älteren geholfen, die Arzneimittel benötigen und die mit den Kürzungen im Gesundheitswesen es nicht schaffen Medikamente zu kaufen. Das erweist sich als äußerst problematisch für die, die nicht ohne Medikamente auskommen können. Deshalb füllen die Freiwilligen bei Vorlage eines ärztlichen Rezepts ein Formular aus, das die Bedürftigen in einer Apotheke, mit der die Gemeinde zusammenarbeitet, vorzeigen. Die Medikamente erhalten sie dann auf unsere Kosten.

Der Pfarrer Jens-Martin Kruse erläutert den tieferen Sinn des Poveri-Frühstücks: „Als Gemeinde sind wir keine Insel und wollen es auch nicht sein. Wir nehmen die Bedürftigen auf, wir engagieren uns im Bewusstsein unserer Verantwortung. Und ich glaube, dass die Tatsache, dass wir uns in einem wohlhabenden Viertel befinden, der Initiative eine besondere Bedeutung verleiht. Und daher haben wir auch ein paar Bäcker im Viertel angesprochen, die uns die Croissants zum Selbstkostenpreis verkaufen und auf ihren Verdienst verzichten. Andere spenden für unsere Initiative an Ostern und Weihnachten. Aber mit unserem Frühstück wollen wir nicht nur den „Körper“ dieser Menschen ernähren, sondern auch ihre Seele, indem wir ihnen eine warme authentischen Aufnahme zuteilwerden lassen und häufig auch die Freundschaft unserer Ehrenamtlichen.”

 

Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Turin

Die Gemeinde Turin ist eine der jüngsten Gemeinden der ELKI. Sie selbst ist kein Träger eigener diakonischer Dienste, sie unterstützt allerdings die Arbeit anderer Einrichtungen, wie die der Organisation Tampep.

Tampep enstand 1993 in Turin und konstituierte sich am 23. Juli 2001 als Verein in einer unpolitischen und unparteilichen
Onlus-Organisation (gemeinnützige Organisation ohne Gewinnabsichten – Anm. d. Ü.), die multidisziplinär Initiativen und Aktivitäten fördert, deren Fokus die Wahrung der Rechte schutzbedürftiger und sozial benachteiligter Menschen ist. Bei allen Initiativen werden stets die Entscheidungen und die Menschenwürde der Hilfesuchenden berücksichtigt. Zielsetzung ist die soziale Integration und die Abnahme der durch die Verschlechterung des sozialen Umfelds bedingten kriminellen Aktivitäten.

Bei der Umsetzung der Initiativen misst der Verein schon seit seiner Gründung der Genderfrage eine besondere Bedeutung zu. Die Organisation unterhält eine täglich geöffnete Anlaufstelle, an die sich die Hilfesuchenden, ohne zuvor einen Termin vereinbaren zu müssen, wenden können. Dort wird ihnen zugehört und Betreuung und Orientierungshilfe geleistet. Angeboten werden außerdem kostenlose Rechtsberatung, Kulturmediation, Begleitung bei Inanspruchnahme von lokalen Sozial- und Gesundheitsdiensten, Straßendienst, teilautonome Wohneingliederungsprojekte sowie Beratung bei freiwilliger und betreuter Rückkehr ins Herkunftsland.
Tampep unterhält Programme für die soziale Betreuung und Integration der Opfer von Menschenhandel, die zum Zwecke der Ausbeutung verschleppt wurden. Ferner führt der Verein Sensibilisierungskampagnen, Schulungen und Forschungs- und Aktionsprojekte zum Thema Gendergewalt durch.